Fischländer Sagenpfad

Die heilige Insel mit dem vierköpfigen Gott

Audio-Link:
https://youtu.be/HTP7s_NuahY

Vertell doch, Klabautermann, kommt man von Ribnitz nach Wustrow, ist von weit her schon die Fischländer Kirche zu sehen. Sie thront auf dem Kirchberg, einem richtigen Hügel, dabei ist doch das Land hier so flach.

Ja, das ist spannend. Hör zu: Der Sage nach wurde dieser Hügel von einem ganz besonderen Riesen errichtet, nämlich von dem Gott Swantewit, dem Obersten unter den Slawengöttern an der Ostsee. In alten Zeiten stand dort, lange vor der Kirche, so erzählt man sich, ein Tempel zu Ehren von Swantewit. Der Name Wustrow, früher „Swante Wustrow“ heißt „Heilige Insel“ und bezieht sich darauf. Der Gott Swantewit sah alles, denn er hatte vier Köpfe, oder zumindest vier Gesichter, welche in alle Himmelsrichtungen spähten und das Treiben der Menschen beobachteten. In Richtung der aufgehenden Sonne war sein Gesicht grün wie die Blätter im Frühling, Richtung Süden war es schwarz wie finstere Nacht, der untergehenden Sonne blickte er mit purpurrotem Gesicht hinterher und gen Norden erstrahlte er in Schneeweiß. Je nachdem, ob ihm gefiel, was er sah, schickte er Sonne, Wolken oder Sturm. Als Swantewit einmal besonders ärgerlich gewesen ist, soll er mit einem gigantischen Sturm unsere Halbinsel quer über die Ostsee gepustet haben, aber das ist eine andere Geschichte.

Tilsche Schellwegen – die Hexe von Wustrow

Audio-Link:
https://youtu.be/ElpcO_zIx-U

Klabautermann, vertellst du uns von der Hexe von Wustrow?

Vor langer Zeit, als die Menschen noch zu Fuß, zu Pferd oder mit dem Schiff gereist sind, lebte eine Frau mit ihrer Familie in Wustrow, die sich ganz hervorragend mit heimischen Pflanzen und ihren heilenden Wirkungen auskannte: Tilsche Schellwegen. Oft ging sie mit ihren Kindern in den nahegelegenen Wald und streifte durch die satten Wiesen des Kirchdorfs, wie Wustrow damals genannt wurde, sammelte Kräuter und Heilpflanzen, trocknete sie und verarbeitete sie zu Tinkturen, Tees und Salben. Mit ihrem Wissen um die heilende Kraft der Natur half sie vielen kranken Menschen, die von nah und fern hilfesuchend zu ihr kamen. Aber, wie das so ist, bekommen manche Menschen Angst, wenn sie etwas nicht verstehen, und wieder andere neiden ihren Mitmenschen ihr Glück. So war die Heilkunst der Tilsche Schellwegen einem Dorfbewohner ein Dorn im Auge. Er beschuldigte sie, eine böse Hexe zu sein und Mensch und Tier zu schaden. In diesen dunklen Zeiten war es fast unmöglich, solch einer Anschuldigung zu entkommen. Egal ob die Frauen, die als Hexe beschuldigt wurden, ihre Unschuld beteuerten oder unter Folter gestanden, es bedeutete den Tod. So auch für Tilsche Schellwegen. Sie hinterließ ihre fassungslose Familie und viele Menschen, denen sie geholfen hatte. Noch heute kann man einen Teil ihres Wohnhauses in der Ernst-Thälmann-Str. 24 besichtigen und, wer weiß, vielleicht einen Hauch von ihrem, wie wir heute wissen, guten Geist spüren."

Störtebekers Hafen

Audio-Link:
https://youtu.be/UIlIU13X1ww

Ahoi, Klabautermann, vertell mal: War der berühmte Pirat Störtebeker etwa auch hier in Wustrow?

Aber ja, das ist gut möglich! An der schmalsten Stelle des Fischlandes ist auf alten Karten tatsächlich der Name „Störtebekers Hafen“ zu finden. Zu Störtebekers Zeiten, vor gut 600 Jahren, war das Fischland nämlich noch vom Festland getrennt und war also eine echte Insel. Der Legende nach haben sich die Piraten um den legendären Klaus Störtebeker, auch Likedeeler genannt, in unseren Boddenge wässern vor der Verfolgung durch die Hanse versteckt. Der sogenannte „Störtebeker Hafen“ in Wustrow soll den Seeräubern Schutz geboten haben. Die Likedeeler waren Seeräuber, die von Gotland bis Ostfriesland die Handelswege der Hanse auf der Ostsee unsicher gemacht haben. Störtebeker soll einer der wagemutigsten Anführer der Piraten gewesen sein. Man sagt, er konnte einen großen Becher in einem Zuge austrinken, daher sein Name. Durch eine List soll es den Hamburger Pfeffersäcken (den Kaufleuten) gelungen sein, Störtebeker zu fangen und hinzurichten. Da ist bestimmt manches Seemannsgarn dabei, aber was wir heute sicher wissen, ist, dass die Hansestädte Rostock und Stralsund dem Treiben auf dem Bodden ein Ende setzten: Sie versenkten drei ausgemusterte Schiffe mit Ballaststeinen beladen südlich von Wustrow, was die natürliche Versandung der Durchfahrt zum Bodden verstärkte und somit den direkten Meereszugang abgeschnitten hat. So wurde aus unserer Insel eine Halbinsel.

Bei uns machen auch Cookies Urlaub

Damit diese Website einwandfrei funktioniert und um Ihre Erfahrungen zu verbessern, verwenden wir Cookies. Für detailierte Informationen, besuchen Sie unsere Datenschutzseite.

  • Technisch erforderliche Cookies unterstützen die Kernfunktionalität. Die Website kann ohne diese Cookies nicht richtig funktionieren und diese können nur durch Änderung Ihrer Browsereinstellungen deaktiviert werden.