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Kunst und Literatur

Das Fischlandhaus ist ein unter Denkmalschutz stehendes Hochdielenhaus, wie es typisch für unsere Region ist. Das etwa 200 Jahre alte Hochdielenhaus beherbergt heute eine reizvolle kleine Bibliothek für Gäste wie Einheimische und eine Galerie. Im Jahr 2010 wurde das Gebäude aufwendig saniert und um einen Veranstaltungsraum ergänzt. In den Galerieräumen finden jährlich drei Ausstellungen in Kooperation mit dem Kunstmuseum Ahrenshoop statt, ergänzt durch regelmäßige Konzerte und Lesungen.

Aktuelle Ausstellung:

Zipora Rafaelov (*1954) - Sternstunde

Ein ganzes Jahr lang waren Arbeiten von Hedwig Holtz-Sommer, die in Wustrow lebte und wirkte, im Fischlandhaus zu sehen. Nun steht eine zeitgenössische Künstlerin im Mittelpunkt, die ihre Wurzeln in Israel hat. Zipora Rafaelov lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Düsseldorf, ist aber häufig an der Ostsee und in Ahrenshoop, wo sie die Natur von Wald, Wiesen und Meer als Gegenpol zur Nüchternheit des Industriestandorts am Rhein auf sich wirken lässt.

1954 in Beer Sheva geboren, studierte Rafaelov in Tel Aviv erst Journalismus und Ökonomie, dann Kunst, bevor sie 1981 zum Studium an die Kunstakademie Düsseldorf ging. Sie blieb auf Dauer in der rheinischen Metropole, die eben nicht nur ein Industriestandort ist, sondern auch bedeutende Museen und eine der Kunst förderliche Infrastruktur besitzt.

Das Werk Zipora Rafaelovs ist sehr stark auf Eindrücke aus der Natur bezogen. Es kommt leise daher, versponnen und grafisch. Licht und die von ihm hervorgerufene Schattenwirkung kalkuliert sie als Bestandteil ihrer Werke ein und überführt sie dadurch aus der flächigen in eine dreidimensionale Erscheinungsweise. Neben zeichnerischen Formulierungen im Raum, die Rafaelov mithilfe eines 3-D-Stifts spontan produziert, gibt es – als Hauptstrang ihrer Arbeit – die Papierschnitte, mit dem Skalpell an einer Zeichnung entlang frei ausgeführt und zumeist in einer raffinierten Kombination mit Malerei. In leichtem Abstand von der Rückwand eines Rahmens angebracht, erzeugen sie das Schatten-Echo, das die Werke in sich schwingen und sich räumlich dehnen lässt.

Zunächst in Schwarz und Weiß gehalten, wurden diese Arbeiten mit den Jahren leuchtend farbig. Die Bildgestalt ist filigran und gleichzeitig barock, wie Spitze oder Schaum vom Meer, ein Linienfeld mit vielen Rundungen und wenigen Geraden, die sich dem Auge nicht auf Anhieb als Bilder erschließen. Florales und Tiere zeigen sich, die menschliche Figur sehr oft als junge weibliche: blühend, erotisch, verspielt und ungezwungen. Rafaelov phantasiert das Weibliche als Wunsch- und Sehnsuchtsbild, in der Natur verankert und in alten Mythen, die von fraulicher Zeugungsmacht handeln. Übertragen auf das heutige in der Trivialkultur und nicht nur dort sexistisch aufgeladene Frauenbild wird die Entleerung jener alten Mythen deutlich. In der zwölfteiligen Serie „Sternstunde“ – sie gab der Ausstellung den Titel – posieren Frauen in Pin-Up-Kostümen mit den teilweise modern veränderten und aufgepeppten Tierkreis-Attributen. Dabei zeigt sich, dass die „Frau von heute“ und das alte kosmologische System nicht mehr zusammenpassen. Die Verkörperung des einen durch die andere ist ohne Ironie nicht möglich. Zeugungsmacht von Frauen – im politischen und auch im künstlerischen Bereich – bleibt ein Ziel kämpferischer Grenzüberschreitung.

Die Ausstellung im Fischlandhaus entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Ahrenshoop

Die Ausstellung ist vom 23. Oktober 2021 bis 27. März 2022 zu sehen.

Öffnungszeiten:

Mo, Di 10-12 Uhr und 14-17 Uhr, Do 10-12 Uhr und 14-18 Uhr

17. – 25. Dezember 2021 geschlossen

26. Dezember 2021 – 2. Januar 2022 täglich 11 – 16 Uhr

Fischlandhaus Wustrow, Neue Straße 38, 18347 Ostseebad Wustrow

Telefon 038220 80465

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